Jahrelang galten Altbauten, insbesondere Wohndenkmäler, im Gegensatz zu Niedrigenergiehäusern als klimafeindlich, schließlich – so war das Argument – führen undichte Fenster, mangelnde Wärmedämmung und veraltete Heizungssysteme zu horrenden Nebenkosten. Gerne wurde in diesem Zusammenhang von einer zweiten Miete gesprochen. Aber ist die Gesamtökobilanz eines Neubaus tatsächlich besser als die eines sanierten Altbaus?

Laut dem am 16.12.2020 vorgelegten Bericht des UN-Umweltprogramms „2020 Global Status Report for Buildings and Construction“¹ liegt der Bau- und Gebäudesektor beim Treibhausgasausstoß weltweit auf Rekordniveau und droht damit, die im Pariser Klima-schutzabkommen von 2015 festgelegte Grenze zu überschreiten. Der Sektor macht inzwischen 38% (9,95 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid) der globalen CO2-Emissionen aus.
Um bis 2050 einen kohlenstofffreien Gebäudebestand zu erreichen, so schätzt die Internationale Energieagentur (IEA), müssen die direkten CO2-Emissionen von Gebäuden bis 2030 um 50 Prozent und die indirekten Emissionen des Bausektors um 60% sinken. Das bedeutet, dass die Emissionen des Gebäudesektors bis 2030 um etwa 6% pro Jahr sinken müssen.

In Deutschland will die Bundesregierung mit einer Kombination aus verstärkter Förderung, CO2-Bepreisung sowie durch ordnungsrechtliche Maßnahmen Bauen und Wohnen deutlich klimafreundlicher machen, denn Im Jahr 2030 darf der gesamte Gebäudesektor nur noch höchstens 72 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr emittieren.

Grafik: www.bundesregierung.de

Energetische Sanierungsmaßnahmen wie der Heizungstausch, der Einbau neuer Fenster, die Dämmung von Dächern und Außenwänden werden seit dem 1. Januar 2020 bis Ende 2029 steuerlich gefördert, ebenfalls seit Januar 2020 gibt es außerdem höhere Tilgungszuschüsse und Kredite bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Die Tilgungszuschüsse in den Kreditprogrammen für energieeffiziente Sanierung wurden um zehn Prozentpunkte erhöht.

Warum nun fördert die Bundesregierung in so starkem Maße die energetische Sanierung von Altbauten anstatt noch stärker vermeintlich klimafreundlichere Neubauten zu begünstigen?

Hier hilft die Betrachtung einer weiteren Zahl: Zement ist in der Herstellung so CO2-intensiv, dass die Produktion für bis zu acht Prozent des globalen jährlichen Kohlenstoffdioxidausstoßes verantwortlich sein soll. Ein Kennwert, der in diesem Zusammenhang oft genannt wird, ist die spezifische Kohlenstoffdioxid-Emission. Diese beschreibt, wieviel Tonnen CO2 bei der Erzeugung einer Tonne Zement ausgestoßen wird. Im Jahr 2018 liegt der Wert laut Deutscher Emissionshandelsstelle (DEHSt) etwa bei 0,59. Daraus ergibt sich ein Kohlenstoffdioxidausstoß von 590 Kilogramm pro Tonne Zement. 2018 wurden in Deutschland insgesamt rund 33,7 Millionen Tonnen des Baustoffs produziert, in Summe also allein ein CO2-Ausstoß von knapp 20 Millionen Tonnen. Damit wird deutlich, dass das Renovieren und Restaurieren von Bestandsimmobilien sehr viel nachhaltiger ist als neu zu bauen. Bei einem Altbau werden zumeist 80% der Materialien ressourcenschonend wiederverwendet.

Quelle: Studie Deutsche Energie-Agentur, 2019

Insgesamt 70% der Immobilien in Deutschland sind aktuell älter als 43 Jahre. Studien zeigen, dass im Jahr 2050 noch rund 80% der heutigen Gebäude vorhanden sind, wenn die Abriss- und Neubauraten sich wie bisher fortsetzen. Mit der energetischen Ertüchtigung dieser Gebäude trägt man den Anforderungen an eine moderne Gebäudenutzung Rechnung und leistet neben dem Klimaschutz auch einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit vieler Denkmale.

Belohnt wird der Investor mit den schon angesprochenen Förderungen in den Darlehensprogrammen der KfW. Berücksichtigt man die hohen Tilgungszuschüsse der „Energieeffizient Sanieren“ Förderprodukte, ergeben sich rechnerisch negative Darlehenszinsen, ein Faktor, der die Wirtschaftlichkeit der Immobilie sowohl bei Eigennutzung als auch bei Vermietung enorm erhöht.

¹ vollständiger Titel: 2020 Global Status Report for Buildings and Construction – Towards a zero-emissions, efficient and resilient buildings and construction sector

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